Der Klimawandel wirkt sich längst auf unsere Gesundheit aus – von Hitzewellen über neue Infektionskrankheiten bis hin zu psychischer Belastung. Diese Seite beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Zusammenhänge von Klimakrise, Biodiversität und Gesundheit sowie zum Medienservice Klima & Gesundheit selbst. Wer tiefer einsteigen möchte, findet ausführliche Hintergründe in unseren Dossiers.
Häufige Fragen zu Klima & Gesundheit
Über den Medienservice Klima & Gesundheit
Woher kommen die Informationen im Medienservice Klima & Gesundheit?
Alle Inhalte des Medienservice werden vom Redaktionsteam nach journalistischen Kriterien recherchiert, geprüft und lektoriert. Die verwendeten Quellen sind in den Dossiers jeweils an der relevanten Stelle angegeben und nachverfolgbar. Zusätzlich wurden alle Themendossiers von mehreren ausgewiesenen Expertinnen und Experten extern geprüft – vor allem, um die korrekte Gewichtung des wissenschaftlichen Kenntnisstands sicherzustellen.
Der Medienservice erhebt dabei keinen Anspruch auf systematische Vollständigkeit aller wissenschaftlichen Teilgebiete; dafür ist das Themenfeld zu umfassend. Er versteht sich als Informationsangebot, das Journalistinnen und Journalisten die Recherche und Themenentwicklung erleichtert.
Bietet der Medienservice Kontakt zu Expertinnen und Experten?
Der Medienservice bietet eine Expertendatenbank mit ausgewiesenen Fachleuten zu allen Themenbereichen und aus verschiedenen Bundesländern. Die Kontaktdaten sind über die jeweils verlinkten institutionellen Websites zu finden. Wer darüber hinaus eine bestimmte Ansprechperson sucht – etwa für ein Spezialthema –, kann sich an das Team des Medienservice wenden, das mit seinem Netzwerk weiterhilft.
Wie kann ich die Inhalte des Medienservice für meine Berichterstattung nutzen?
Die Inhalte des Medienservice stehen Journalistinnen und Journalisten kostenlos als Recherchegrundlage zur Verfügung; eine Anmeldung oder Nennung des Medienservice ist nicht notwendig. Bei Bildern und Grafiken liegen die Rechte in der Regel bei den jeweils angegebenen Urhebern oder Quellen; bitte beachten Sie bei Verwendung deren jeweilige Nutzungsbedingungen. Bei Weiterverwendung konkreter Angaben – etwa Zahlen, Studien oder Zitate – empfiehlt sich der Rückgriff auf die jeweils in den Dossiers genannten Primärquellen.
Über eine kurze Rückmeldung, wenn Inhalte genutzt werden, freut sich das Team des Medienservice. Bei der weiteren Recherche unterstützen wir zudem gern mit zusätzlichen Hinweisen und Kontakten.
Warum ist es wichtig, dass Medien über die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels berichten?
Die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels betreffen Menschen in Deutschland bereits heute konkret, wie zuletzt der Lancet Countdown Europe Report 2026 zu Klimawandel und Gesundheit herausgestellt hat – etwa durch Hitzebelastung, längere Pollensaisons, sich verändernde Infektionsrisiken und Luftverschmutzung. Gerade über die Gesundheit wird der Klimawandel für ein breites Publikum unmittelbar greifbar, auch für Menschen, die sich für Klimapolitik wenig interessieren. Berichterstattung schafft die Grundlage dafür, dass Leserinnen und Leser Risiken einordnen und informierte Entscheidungen treffen können.
Das Interesse ist messbar vorhanden: Laut der Umweltbewusstseinsstudie des Umweltbundesamts stieg der Anteil der Menschen in Deutschland, die den Klimawandel als gesundheitsschädlich einschätzen, zwischen 2016 und 2022 von 59 auf 73 %. Zugleich ist das Thema nicht auf ein Ressort beschränkt – es berührt Gesundheit, Wirtschaft, Verkehr, Sport, Ernährung und Kommunales/Stadtplanung gleichermaßen. Damit bietet es auch Redaktionen außerhalb der klassischen Wissenschafts- und Umweltberichterstattung Anknüpfungspunkte.
Wer steckt hinter dem Medienservice Klima & Gesundheit?
Der Medienservice Klima & Gesundheit wird von der Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen bereitgestellt, einer gemeinnützigen Gesellschaft (gGmbH) mit Sitz in Berlin. Die Stiftung wurde im März 2020 von dem Arzt und Wissenschaftsjournalisten Dr. Eckart von Hirschhausen gegründet. Die redaktionellen Inhalte des Medienservice erstellt das Redaktionsteam der Stiftung.
Inhaltlicher Kern der Arbeit von Gesunde Erde – Gesunde Menschen ist eine lösungsorientierte Kommunikation, die die Bedeutung von Klimakrise, Biodiversitätsverlust und Umweltzerstörung für die menschliche Gesundheit in der Öffentlichkeit, Fachwelt und Politik vermittelt.
Wie wird der Medienservice Klima & Gesundheit finanziert?
Der Medienservice Klima & Gesundheit wird durch eine zweckgebundene Förderung der Stiftung Mercator finanziert. Die Mittel dürfen ausschließlich für die Inhalte des Medienservice verwendet werden, beispielsweise für Personalkosten, Honorare, Bildrechte, Website-Entwicklung und Hosting. Als gemeinnützige Organisation finanziert sich die Trägerstiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen grundsätzlich aus Spenden und institutioneller Förderung.
Die Stiftung Mercator hat keinerlei Einfluss auf die redaktionelle Arbeit. Konzept, Struktur und Inhalte des Medienservice verantwortet GEGM von Beginn an eigenständig. Über Themen und inhaltliche Schwerpunkte entscheidet die Redaktion allein und unabhängig.
Berichten die Medien nicht schon genug über die Klimakrise?
Nein, denn zwischen der wissenschaftlich dokumentierten Dringlichkeit des Klimawandels und der medialen Aufmerksamkeit besteht weiterhin eine Lücke. Der Europa-Report 2026 des Lancet Countdown on Health and Climate Change – erarbeitet von 65 Fachleuten aus 46 wissenschaftlichen und UN-Institutionen – verzeichnet einen deutlichen Anstieg hitzebedingter Gesundheitsschäden: In nahezu allen beobachteten europäischen Regionen (99,6 %) stieg die hitzebedingte Sterblichkeit im Zeitraum 2015–2024 gegenüber 1991–2000, und die täglichen Extremhitze-Warnungen nahmen um 318 % zu. Damit wächst der Bedarf an Informationen, die Menschen Orientierung für Schutz und Vorsorge geben.
Die Berichterstattung zu Klimathemen verläuft allerdings stark anlassbezogen: Sie steigt bei Hitze, Dürre oder nach Ereignissen wie der Ahrtal-Flut oder dem Weltklimagipfel und nimmt danach wieder ab. Für Redaktionen liegt darin ein praktischer Anknüpfungspunkt: Viele Aspekte des Themenkomplexes Klima und Gesundheit sind unabhängig von Wetterlagen und Katastrophen relevant und bieten Stoff für kontinuierliche Berichterstattung. Der Medienservice ist als Recherchegrundlage für solche Themen angelegt.
Interessieren sich die Leserinnen und Leser überhaupt für das Thema Klima & Gesundheit?
Ja, und das Interesse ist auch wirtschaftlich relevant. Lange galt in Redaktionen das Credo „Klima klickt nicht“; belegen lässt sich jedoch das Gegenteil: Beim Klima-Projekt der NOZ Medien erreichte das Medienhaus mit regelmäßiger Klimaberichterstattung rund 30 % mehr Leserinnen und Leser und erschloss neue Zielgruppen.
Auch die Datenlage zum Publikumsinteresse ist eindeutig: Laut der Umweltbewusstseinsstudie des Umweltbundesamts stieg der Anteil der Menschen in Deutschland, die den Klimawandel als gesundheitsschädlich einschätzen, zwischen 2016 und 2022 von 59 auf 73 % – das Interesse besteht also gerade an der Verbindung von Klima und Gesundheit. Und: Sowohl die Altersgruppen 14-29 als auch ab 65 Jahren messen Umweltthemen große Bedeutung bei. Eine von der MaLisa-Stiftung, ARD, ZDF, ProSiebenSat.1 und RTL initiierte Untersuchung kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Das Publikum wünscht sich mehr Präsenz von Themen wie Klimawandel und Biodiversität im Hauptprogramm und klar definierte Sendeplätze für diese Themen.
Klima ist kein Nischenthema für ein einzelnes Ressort. Die Zusammenhänge berühren Gesundheit, Wirtschaft, Verkehr, Infrastruktur, Stadtplanung, Ernährung sowie Politik und Lokalpolitik – also etablierte, reichweitenstarke Themenfelder. Das eröffnet Anknüpfungspunkte für Redaktionen praktisch jedes Ressorts. Die Dossiers des Medienservice bieten dementsprechende Informationen.
Übergreifende Fragen
Was hat der Klimawandel mit Gesundheit zu tun?
Der Klimawandel schädigt schon heute die menschliche Gesundheit, auch von Menschen in Deutschland. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO, 2021) ist der Klimawandel die größte globale Gesundheitsbedrohung. In Deutschland wirken sich vor allem Hitze, mehr Allergiebelastung, neue und vermehrte Infektionskrankheiten, mehr Antibiotikaresistenzen und Luftverschmutzung und auch mehr Hautkrebs durch UV-Strahlung immer stärker gesundheitlich aus, wie das Robert Koch-Institut im Sachstandsbericht Klimawandel und Gesundheit 2023 zusammenfasst.
Der Klimawandel führt auch zu mehr Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, durch Zecken und die Asiatische Tigermücke übertragene Infektionen (in Deutschland etwa FSME, weltweit Malaria und Dengue), Ernährungskrisen nach Ernteausfällen sowie psychische Belastungen.
Die Weltbank rechnet bis 2050 mit mindestens 21 Millionen zusätzlichen Todesfällen durch allein folgende fünf klimaverstärkte Risiken: Hitze, Mangelernährung, Durchfallerkrankungen, Malaria und Dengue. Weil sich Krankheit und Armut wechselseitig verstärken, könnten die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels bis 2030 rund 44 Millionen Menschen zusätzlich in extreme Armut drängen (World Bank Climate and Health Program, 2023).
Was kostet der Klimawandel unsere Gesundheit - und die Gesellschaft?
Sehr viel – und zunehmend messbar in Euro. Der Klimawandel schädigt die menschliche Gesundheit auf vielfältige Weise, etwa durch Hitze, Luftverschmutzung und Belastungen für die mentale Gesundheit; die Weltgesundheitsorganisation wertet den ihn als die größte Gesundheitsbedrohung für die Menschheit (WHO, „COP26 Special Report on Climate Change and Health“, 2021). Über ihre Kosten werden diese gesundheitlichen Folgen zugleich zur gesamtgesellschaftlichen Belastung.
Allein ein einzelner Hitzetag (ab 30 °C) verursacht in Deutschland rund 431 Millionen Euro betriebswirtschaftliche Kosten – etwa 97 Prozent davon entfallen auf hitzebedingte Produktivitätsverluste (Prognos/BMAS, „Klimabedingte Risiken für die Arbeitswelt“, 2026). Die Belastung trifft also zugleich Gesundheits- und Pflegesysteme, Arbeitswelt und Sozialsysteme. Die einzelnen Bundesländer und Wirtschaftszweige sind dabei unterschiedlich betroffen. Mehr Infos im Dossier Hitzestress & Extremwetter.
Welche Folgen des Klimawandels für die Gesundheit sind in Deutschland schon heute spürbar?
Verschiedene Gesundheitsfolgen des Klimawandels sind heute bereits in Deutschland messbar. Der RKI-Sachstandsbericht „Klimawandel und Gesundheit“ (2023) fasst die Evidenzen zusammen, etwa für hitzebedingte Todesfälle, längere Pollensaisons, die Ausbreitung von Infektionskrankheiten oder auch steigende Hautkrebszahlen.
Hitze: In Hitzeperioden ist regelmäßig eine deutliche Übersterblichkeit zu beobachten, vor allem in höheren Altersgruppen. Für das extrem heiße Jahr 2018 schätzt das RKI rund 8.500 hitzebedingte Todesfälle, für 2023 und 2024 je über 3.000 (RKI, „Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität“, 2026). Mehr als 20 % nahmen die Sterbefälle in Hitzewochen in den letzten Jahren zu (Statistisches Bundesamt, 2026). Mehr Infos im Dossier Hitzestress & Extremwetter.
Antibiotikaresistenzen: Steigende Temperaturen sind ein Vorteil für resistente Erreger. Laut RKI-Report nehmen postoperative Infektionen von Wunden um etwa 1 % je Grad Celsius zu (RKI, „Antibiotikaresistenzen in Deutschland und Europa“, 2023). Mehr Infos im Dossier Ernährung & Landwirtschaft.
Psychische Gesundheit: Hitze belastet auch die Psyche. Studien zeigen sogar, dass im Frühling und Sommer die Suizidrate um rund 0,9 % pro zusätzlichem Grad Celsius steigt (RKI, „Scoping Review zu Klimawandel und psychischer Gesundheit in Deutschland“, 2023). Mehr Infos im Dossier Klima & mentale Gesundheit.
Allergien: Durch den Klimawandel wird die Pollensaison länger, zugleich werden Pollenproduktion und -aggressivität stärker. Die Hasel blüht heute etwa einen Monat früher als noch im Vergleichsjahr 1951. Auch wärmeliebende, stark allergene Neuankömmlinge wie die Beifuß-Ambrosie breiten sich aus. In Deutschland sind bereits 20 bis 30 Millionen Menschen von Allergien betroffen (RKI, „Klimawandel und Gesundheit“, 2024). Mehr Infos im Dossier Klima, Luft & Mobilität.
Infektionskrankheiten: Das West-Nil-Virus wird von Mücken übertragen und gilt in Deutschland seit 2018 als endemisch; die Asiatische Tigermücke, ein möglicher Dengue-Überträger, hat sich fest bei uns etabliert (RKI, „Auswirkungen von Klimaveränderungen auf Vektor- und Nagetier-assoziierte Infektionskrankheiten“, 2023). Mildere Winter und wärmere Sommer verlängern zudem die Zeckenaktivität und begünstigen FSME und Lyme-Borreliose. Mehr Infos im Dossier Klima & Infektionskrankheiten.
Luftschadstoffe: Fast die gesamte Bevölkerung Deutschlands ist Feinstaubwerten (PM2,5) ausgesetzt, die oberhalb der WHO-Grenzwerte liegen, wie ein RKI-Report herausstellt (RKI, „Klimawandel und Gesundheit“, 2024). An heißen Tagen verstärkt bodennahes Ozon die Belastung. Luftverschmutzung zählt in Europa und weltweit zu den größten umweltbedingten Gesundheitsrisiken. Mehr Infos im Dossier Klima, Luft & Mobilität.
Profitiert meine Gesundheit durch Klimaschutz?
Häufig ja, denn viele Klimaschutzmaßnahmen haben einen unmittelbaren gesundheitlichen Nutzen, wie Studien des RKI („Klimawandel und Public Health in Deutschland“, 2023) oder auch der Barmer-Krankenkasse („Evidenzsynthese zu Co-Benefits“, 2024) aufzeigen. Fachleute sprechen deswegen von Co-Benefits.
Weniger Autoverkehr bedeutet sauberere Luft und zugleich mehr Bewegung; eine pflanzenbetonte Ernährung entlastet ebenso das Klima wie das Herz-Kreislauf-System. Und mehr Stadtgrün nahe am Wohnort – ob kleine „Taschenparks“ oder größere Grünanlagen – kühlt nicht nur bei Hitze, sondern kann nachweislich das psychische Wohlbefinden fördern (Tost et al., 2019). Der gesundheitliche Nutzen von Klimaschutz tritt also oft sofort und vor Ort ein.
Warum sind Artenvielfalt und Biodiversität für die menschliche Gesundheit wichtig?
Biologische Vielfalt ist eine Grundlage menschlicher Gesundheit: Sie sichert Ernährung dank Bestäubern wie Insekten und Fledermäusen, liefert fruchtbare Böden und sauberes Wasser, birgt Wirkstoffe für Medikamente wie Antibiotika und hilft gegen die Ausbreitung von Krankheitserregern (IPBES, „Globales Assessment – Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger“, 2019). Der Zusammenhang zwischen Artenvielfalt und Gesundheit ist dabei nicht nur vielfältig, sondern oft überraschend:
Vielfalt im Darm: Jeder Mensch trägt Artenvielfalt in sich, nämlich schätzungsweise 38 Billionen Mikroorganismen, vor allem im Darm. Diese Mikroorganismen steuern zentral die Immunabwehr und Nährstoffaufnahme. Eine geringe Vielfalt dieses Mikrobioms wird mit einem höheren Risiko für Allergien und chronische Erkrankungen in Verbindung gebracht; der von Erika von Mutius (Helmholtz Munich) beschriebene „Bauernhof-Effekt“ zeigt, dass Kinder, die auf einem Bauernhof groß werden und mit vielen Mikroorganismen in Kontakt kommen, seltener an Asthma und anderen Allergien erkranken.
Artenverlust mit Gesundheitsfolgen: Als in US-Regionen Fledermäuse massenhaft an einer Pilzerkrankung starben, stieg zunächst die Insektenzahl und schließlich der Insektizideinsatz um rund 31 % – und damit, so eine Studie im Fachjournal Science, die Säuglingssterblichkeit um etwa 8 % (Frank, „The economic impacts of ecosystem disruptions“, 2024).
Weitere Beispiele und Infos im Dossier Klima & Biologische Vielfalt.
Sterben mehr Menschen an Klimafolgen oder an Verkehrsunfällen?
Allein Hitze und Luftverschmutzung fordern in Deutschland jährlich mehr Todesfälle als der Straßenverkehr. Im Jahr 2024 starben 2.770 Menschen laut Statistischem Bundesamt bei Verkehrsunfällen; dagegen kam es laut RKI zu rund 3000 hitzebedingten Todesfällen im Jahr 2024, im sehr heißen Jahr 2018 sogar zu rund 8.500 (RKI, Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität, 2026). Laut Daten der Europäischen Umweltagentur sterben jährlich außerdem rund 3.500 Menschen infolge von Feinstaub-Belastung – allein in Berlin.
Luftverschmutzung
Was hat Luftverschmutzung mit dem Klimawandel zu tun?
Luftverschmutzung und Klimawandel haben größtenteils dieselbe Ursache, sie verstärken sich gegenseitig. Beim Verbrennen von Öl, Kohle und Gas entstehen Treibhausgase wie CO2 und Methan und zugleich Luftschadstoffe wie Feinstaub und Stickoxide (Umweltbundesamt, „Energiebedingte Emissionen von Klimagasen und Luftschadstoffen“, 2025). Manche Stoffe wie Ruß, ein Bestandteil von Feinstaub, oder bodennahes Ozon schädigen sogar Klima und Gesundheit zugleich. Mehr Infos im Dossier Klima, Luft & Mobilität.
Wie schädlich ist Feinstaub wirklich für die Gesundheit?
Sehr schädlich, Feinstaub gilt als einer der gefährlichsten Luftschadstoffe – mit gleichbleibend hohen Gesundheitsrisiken, obwohl die Konzentrationen sinken (Helmholtz Munich, 2024). Vor allem besonders kleine Partikel (PM2,5) dringen tief in Lunge und Blutkreislauf ein und erhöhen u.a. das Risiko für Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, Lungenkrebs und Schlaganfälle. Weniger bekannt ist, dass Feinstaub auch mit Diabetes, Demenz und sogar Depressionen in Verbindung steht.
Zwar werden in Deutschland die EU-Grenzwerte zur Luftqualität eingehalten, wie zuletzt das Umweltbundesamt für das Jahr 2025 meldete. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt allerdings seit 2021 nur maximal 5 µg/m³ im Jahresmittel als gesundheitlich vertretbar – der EU-Grenzwert für Feinstaub liegt derzeit mit 25 µg/m³ noch fünffach höher. Er soll erst ab 2030 auf 10 µg/m³ sinken. Mehr Infos im Dossier Klima, Luft & Mobilität.
Welche Zahlen gibt es zu Todesfällen durch Feinstaub in Deutschland?
Die statistischen Schätzungen zu Todesfällen durch Feinstaub in Deutschland unterscheiden sich je nach Methode und Jahr. Das Umweltbundesamt zählt für das Jahr 2023 rund 19.500 Todesfälle, die auf Feinstaub (PM2,5) zurückführbar sind; die Europäische Umweltagentur kommt für Deutschland 2023 auf rund 21.640.
Zwar sinken die Todeszahlen und auch die Krankheitslast durch Feinstaub. Allerdings zeigen Untersuchungen des UBA, dass ein Großteil der Bevölkerung Feinstaubkonzentrationen ausgesetzt ist, die über den WHO-Richtwerten liegen und mit einem erhöhten Gesundheitsrisiko einhergehen. Mehr Infos im Dossier Klima, Luft & Mobilität.
Allergien & Pollen
Warum nehmen Allergien zu?
Allergien haben in den vergangenen Jahrzehnten laut RKI stark zugenommen. Neben Lebens- und Umweltbedingungen spielt dabei zunehmend der Klimawandel eine Rolle, wie das Fachmagazin The Lancet 2026 betont: Er verstärkt die Verbreitung von Allergenen, etwa indem er die Pollensaison – wie von Erle oder Birke – verlängert. Auch Luftschadstoffe verbreiten und intensivieren Allergene. In Deutschland leiden bis zu rund einem Drittel der Menschen an Allergien wie Heuschnupfen.
Mehr Infos im Dossier Klima, Luft & Mobilität.
Warum haben immer mehr Menschen schon im Winter tränende Augen und eine laufende Nase?
Viele Menschen leiden bereits im Winter unter allergischen Symptomen, da die Pollensaison heute durch mildere Winter deutlich früher beginnt als noch vor einigen Jahrzehnten. Die ersten Frühblüher – wie Hasel – produzieren inzwischen oft schon im Januar oder Februar Pollen – und damit mehr als drei Wochen zu früh, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) 2026 beobachtet.
Mehr Infos im Dossier Klima, Luft & Mobilität.
Kann man plötzlich gegen Pollen allergisch werden, obwohl man es nie war?
Ja, Allergien können sich in jedem Lebensalter neu entwickeln, auch wenn man nie zuvor betroffen war. Klimawandel und Umweltbelastung erhöhen das Risiko für Allergien, denn die Pollensaison wird länger und stärker, und Pollen werden sogar aggressiver, wie der Allergie Informationsdienst des Helmholtz-Zentrums München betont. Auch „eingeschleppte“, stark allergene Pflanzen wie die Ambrosia können erstmals Sensibilisierungen verursachen.
Mehr Infos im Dossier Klima, Luft & Mobilität.
Hitze
Wie wirkt sich Hitze auf die Gesundheit aus?
Hitze belastet vor allem das Herz-Kreislauf-System, denn der Körper muss viel Energie zur Abkühlung aufbringen. Die Folge können Kreislaufprobleme, Dehydrierung, Erschöpfung oder auch Kopfschmerzen sein, im Extremfall auch ein lebensbedrohlicher Hitzschlag. Meist sterben Menschen allerdings an der Verschärfung bestehender Vorerkrankungen. Neben chronisch Kranken sind ältere und allgemein hitzeempfindliche Personen besonders gefährdet.
Mehr Infos im Dossier Hitzestress & Extremwetter.
Warum ist der Schlaf bei Hitze so schlecht – und ist das schädlich?
Guter Schlaf benötigt eine leichte Absenkung der Körpertemperatur, doch das gelingt schlecht, wenn es nachts sehr warm bleibt. Durch die globale Erwärmung kommt es auch in Deutschland immer häufiger zu sogenannten Tropennächten mit über 20 °C. Darunter leidet nicht nur die Schlafqualität: Wie Untersuchungen am Helmholtz Zentrum München zeigen, führt nächtliche Hitze zu deutlich mehr Schlaganfällen (Helmholtz Munich, „Nächtliche Hitze erhöht das Risiko für Schlaganfall deutlich“, 2024).
Mehr Infos im Dossier Hitzestress & Extremwetter.
Wie viele Menschen sterben in Deutschland an Hitze?
Die Zahl der hitzebedingten Todesfälle schwankt stark – je nachdem, wie heiß der Sommer ausfällt. Das Robert Koch-Institut schätzt für 2023 und 2024 jeweils rund 3.000 hitzebedingte Sterbefälle. In Jahren mit besonders heißen Sommern liegt sie höher: Für 2018 werden etwa 8.500 Todesfälle geschätzt (RKI, „Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität“, 2026).
Mehr Infos im Dossier Hitzestress & Extremwetter.
Wie ordne ich eine einzelne Hitzewelle seriös ein?
Eine einzelne Hitzewelle ist zunächst Wetter, kein Klima. Seriös ist eine journalistische Einordnung, dass der Klimawandel Häufigkeit, Dauer und Intensität von Hitzewellen erhöht. Aber: Die sogenannte Attributionsforschung kann heute für individuelle Wetterereignisse abschätzen, inwieweit der Klimawandel für das Ereignis verantwortlich ist.
Mehr Infos bietet der Deutsche Wetterdienst.
Wird die Gefahr von Hitzewellen übertrieben?
Nein, die Gefahr durch Hitze ist wissenschaftlicher Konsens; Hitzeperioden führen in Deutschland regelmäßig zu mehreren tausend Sterbefällen, wie das RKI-Monitoring erfasst. Allerdings werden die Zahlen häufig missverstanden: „Hitzetote“ stehen selten auf dem Totenschein, sondern werden über die Übersterblichkeit während Hitzeperioden statistisch und im Nachhinein erfasst. Das Imperial College London wandte während der Hitzewelle im Sommer 2025 in England und Wales allerdings eine Echtzeitprognose an (Konstantinoudis, „Real-time forecast of heat-related excess mortality during June 2025 heatwave“, 2025).
Was können Kommunen, Kliniken und Bürger:innen konkret gegen Hitze und Extremwetter tun?
Viel – und vieles ist schon erprobt: Von „Schwammstädten“ bis zu mehr Stadtgrün gibt es wirksame Schutzmaßnahmen, die Klima und Gesundheit zugleich etwas Gutes tun. Die Schutzmaßnahmen wirken: 2023 wären die europaweit über 47.000 Hitzetoten ohne Anpassungsmaßnahmen und Hitzeschutz vermutlich um rund 80 % höher ausgefallen (Gallo et al., „Heat-related mortality in Europa during 2023 and the role of adaptation in protecting health“, 2024).
Auf kommunaler Ebene zählen dazu Hitzeaktionspläne, Entsiegelung von Flächen, Verschattung mit Bäumen und Pavillons und wasserspeichernde „Schwammstädte“; Kliniken und Pflegeeinrichtungen können auf Musterhitzeschutzpläne zurückgreifen (z. B. des Aktionsbündnisses Hitzeschutz Berlin). Für Einzelne helfen einfache Maßnahmen wie ausreichendes Trinken, kühle Räume und der Hitzewarn-Newsletter des Deutschen Wetterdienstes.
Alle Medienservice-Dossiers umfassen konkrete, nach Bundesländern sortierte Erfolgsbeispiele sowie die Sektionen „Konkret“ (Lösungsansätze) und „Was tun?“, wie hier im Dossier „Hitzestress & Extremwetter“.
Arbeitswelt
Welche Berufsgruppen sind durch Hitze am Arbeitsplatz besonders gefährdet?
Am stärksten durch Hitze gefährdet sind Beschäftigte mit schwerer körperlicher Arbeit im Freien oder in heißen Innenräumen, vor allem in Bau und Straßenbau, Logistik und Zustellung, Land- und Forstwirtschaft, Pflege, Gastronomie sowie in Produktionshallen, Werkstätten und Großküchen. Bei Arbeit im Freien kommt die UV-Belastung hinzu, aber auch u.a. Allergene und Toxine, wie die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hinweist.
Unabhängig vom Beruf und Branche steigt das Risiko außerdem bei Personen über 50, bei neu Eingestellten – insofern diese in den ersten Arbeitswochen noch nicht an Hitze akklimatisiert sind – und bei chronisch Kranken sowie bei Schwangeren und Stillenden. Konzentration und Reaktionsfähigkeit sinken bei Hitze, sodass Arbeitsunfälle merklich zunehmen; die Zahl hitzebedingter Todesfälle am Arbeitsplatz ist in der EU seit 2000 um 42 % gestiegen (ILO-Daten, Europäisches Parlament, 2025).
Mehr Infos im Dossier Zukunft der Arbeit.
Gibt es Daten zu hitzebedingten Arbeitsausfällen oder Produktivitätsverlusten?
Laut einer Studie der Prognos AG im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums für Arbeit und Soziales verursacht bereits ein einzelner Hitzetag (ab 30 °C) in Deutschland über 431 Millionen Euro direkte betriebswirtschaftliche Kosten. Rund 97 Prozent davon durch Produktivitätsverluste. Die Studie errechnet erhebliche regionale Unterschiede, mit höheren Kosten für süddeutsche Bundesländer (Prognos/BMAS, „Klimabedingte Risiken für die Arbeitswelt“, 2026).
Der größte Effekt entsteht dabei nicht durch Ausfälle infolge von Hitze: Die meisten Beschäftigen arbeiten weiter, aber messbar weniger effizient und leistungsfähig – die Studie spricht vom „stillen“ Produktivitätsverlust.
Die hitzebedingten Produktivitätsverluste der Jahre 2018 und 2019 beziffert das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung auf rund 5 Milliarden Euro (inklusive indirekter Effekte 8,5 bis 10,3 Milliarden). Allein die Baubranche verzeichnete davon 540 Millionen hitzebedingte Verluste für die Jahre 2018 und 2019. An Hitzetagen über 30 °C gehen zudem zu etwa 3 Prozent mehr Krankschreibungen (IAB-Forschungsbericht 8/2025).
Mehr Infos im Dossier Zukunft der Arbeit.
Infektionskrankheiten
Welche Krankheiten breiten sich durch den Klimawandel aus?
Der Klimawandel führt vor allem zu einer Ausbreitung von Infektionskrankheiten, deren Erreger oder Überträger von Wärme profitieren. Der RKI-Sachstandsbericht „Klimawandel und Gesundheit“ (2023) unterscheidet vier Gruppen:
Vektorübertragene Krankheiten: Von höheren Temperaturen und milderen Wintern profitieren Überträger wie Zecken und Stechmücken, sogenannte Vektoren. Für Deutschland bedeutet das mehr Fälle von FSME und Lyme-Borreliose (Zecken), von West-Nil-Virus sowie – durch die mittlerweile etablierte Asiatische Tigermücke – künftig mögliche Übertragungen von Dengue- und Chikungunyafieber (RKI, „Auswirkungen von Klimaveränderungen auf Vektor- und Nagetier-assoziierte Infektionskrankheiten“, 2023). Weitere Infos im Dossier Klima und Infektionskrankheiten.
Wasserbürtige Infektionen: In wärmerem Wasser haben Krankheitserreger wie Vibrionen in Nord- und Ostsee ein leichteres Spiel; sie können starke, cholera-artige Magen-Darm-Infekte, Wund- und Ohrinfektionen auslösen. Fachleute rechnen außerdem mit mehr Gesundheitsrisiken durch Cyanobakterien (Blaualgen), Legionellen und wasserbürtige Virusinfektionen (RKI, „Auswirkungen des Klimawandels auf wasserbürtige Infektionen und Intoxikationen“, 2023).
Infektionen über Nahrungsmittel: Höhere Temperaturen bieten Erregern wie Salmonellen und Campylobacter bessere Wachstumsbedingungen, wodurch das Risiko für Magen-Darm-Erkrankungen steigt (RKI, „Auswirkungen des Klimawandels auf lebensmittelassoziierte Infektionen und Intoxikationen“, 2023).
Antibiotikaresistenzen: Studien zeigen eine stärkere Ausbreitung antibiotikaresistenter Erreger durch die Folgen des Klimawandels; einige weisen sogar nach, dass unter höheren Temperaturen mehr Antibiotika zum Einsatz kommen (RKI, „Antibiotikaresistenz in Deutschland und Europa“, 2023). Mehr Infos im Dossier Ernährung & Landwirtschaft.
Wo finde ich Karten zur Ausbreitung von Krankheitsüberträgern wie der Tigermücke in Deutschland?
Für Krankheitsüberträger in Deutschland gibt es mehrere frei zugängliche Kartenangebote. Sie bilden zum Beispiel Stechmücken oder gemeldete Krankheitsfälle ab.
Stechmücken: Der Deutsche Mückenatlas, ein Projekt des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und des Friedrich-Loeffler-Instituts, kartiert von Bürgern eingesandte Mücken. So gibt er Aufschluss über Überträgerarten in der Region.
Tigermücken: Eine Landkreiskarte der Nationalen Expertenkommission „Stechmücken als Überträger von Krankheitserregern“ am Friedrich-Loeffler-Institut zeigt die Verbreitung der Asiatischen Tigermücke (aktueller Stand: 31.12.2025).
Gemeldete Krankheitsfälle: Die RKI-Datenbank SurvStat bietet einen Überblick über meldepflichtige Erkrankungen nach Infektionsschutzgesetz. Bundesweit erfasst sind unter anderem FSME sowie Dengue, Chikungunya, Zika und West-Nil-Fieber. Aufgeschlüsselt bis auf Kreisebene und mit Download der Datensätze für Grafiken.
Weitere Infos, Datenbanken und Recherchetipps finden Sie im Dossier Klima & Infektionskrankheiten.
Mentale Gesundheit
Ist der Klimawandel auch eine Gefahr für die psychische Gesundheit?
Der Klimawandel beeinflusst die psychische Gesundheit auf mehreren Wegen: Hitze steht zum Beispiel im Zusammenhang mit einer Verschlechterung der psychischen Gesundheit und erhöhter Suizidalität, Extremwetterereignisse können Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) auslösen und auch die Sorge vor der Klimakrise selbst kann belasten. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) hat den Forschungsstand 2022/2023 in einem Positionspapier zusammengefasst.
Die DGPPN unterscheidet einerseits direkte Folgen für die Psyche wie Depressionen, Angst- und Traumafolgestörungen oder auch ADHS und Schizophrenie im Zusammenhang mit Luftverschmutzung. Andererseits nennt die DGPPN indirekte Auswirkungen für die Psyche durch Nahrungsmittelunsicherheit, ökonomische Krisen, Flucht und Migration sowie Klimaungerechtigkeit. Eine im Positionspapier zitierte Metaanalyse nennt pro Grad Celsius Temperaturanstieg ein um etwa 0,9 % erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen. Mehr Infos im Dossier Klima & mentale Gesundheit.
Können Extremwetterereignisse wirklich zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung führen?
Ja, das ist belegt. Schätzungen gehen davon aus, dass nach traumatischen Ereignissen wie Naturkatastrophen bis zu 20 % der Betroffenen eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickeln. Laut der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) litten sogar 36,2 % der Betroffenen einer Flutkatastrophe in England an einer PTBS (DGPPN, „Klimawandel und psychische Gesundheit“, 2022). Mehr Infos im Dossier Klima & mentale Gesundheit.
Welche Daten gibt es zur Verbreitung von Klimaangst, besonders bei jungen Menschen?
Umfangreiche Daten liefert erstmals eine 2021 im Fachjournal The Lancet Planetary Health veröffentlichte Befragung von 10.000 jungen Menschen (16-25 Jahre) in zehn Ländern (Hickman et al., „Climate anxiety in children and young people and their beliefs about government responses to climate change: a global survey“, 2021). Darin gaben 75 % an, die Zukunft mache ihnen Angst; knapp 60 % bezeichneten sich als sehr oder extrem besorgt über den Klimawandel.
Die Studie von Hickman et al. ist die erste großangelegte internationale Untersuchung zu Klimaangst bei Kindern und Jugendlichen. Die Umfrage zeigte auch einen Zusammenhang auf zwischen der Belastung durch Klimaangst und dem Gefühl, dass die Regierungen zu wenig gegen den Klimawandel unternähmen. Für Deutschland zeigte jüngst die Barmer-Jugendstudie 2025/26, dass Klimaangst weiterhin auf einem hohen Niveau ist. Mehr Infos im Dossier Klima & mentale Gesundheit.
Artenvielfalt
Warum werden Klimakrise und Artensterben oft zusammen genannt?
Klimawandel und Artensterben verstärken sich gegenseitig und haben teils dieselben Ursachen. Der Klimawandel ist ein Treiber des Artensterbens, indem er Lebensräume verändert, und ebenso schwächt der Verlust intakter Ökosysteme (Wälder, Moore, Meere) deren Fähigkeit, Kohlenstoff zu speichern. Der Weltklimarat (IPCC) und der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) betonen daher in einem gemeinsamen Bericht 2021, dass sich beide Krisen nur gemeinsam wirksam bewältigen lassen.
Intakte Ökosysteme und ein stabiles Klima sichern die Lebensgrundlagen und die Gesundheit der Menschen – von Ernährung und sauberem Wasser über saubere Luft bis zum seelischen Wohlbefinden. Klimaveränderungen und der immer schnellere Verlust biologischer Vielfalt wirken sich gemeinsam umso drastischer auf die Lebensqualität der Menschen aus. In Deutschland ist heute ein Drittel der Arten laut der bundesweiten Forschungsinitiative FEdA gefährdet (FEdA, „Faktencheck Artenvielfalt“, 2024). Mehr Infos im Dossier Klima & Biologische Vielfalt.
Wie hängt Biodiversitätsverlust mit dem Risiko für neue Infektionskrankheiten zusammen?
Das Risiko für (neue) Infektionskrankheiten liegt im Eingriff in intakte Ökosysteme. Wenn Menschen durch Abholzung, Landnutzungsänderung oder Wildtierjagd und -handel in bislang kaum gestörte Lebensräume vordringen, gibt es mehr Kontakte zwischen Menschen, Nutztieren und Wildtieren. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Erreger vom Tier auf den Menschen überspringen (sogenannte Zoonosen). Laut Statista sind 75 % aller neu entstehenden Infektionskrankheiten beim Menschen Zoonosen (Statista, „Anteil zoonotischer Erreger an allen Infektionskrankheiten weltweit, Stand 2021).
Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) empfiehlt verstärkten Naturschutz als eine wesentliche Maßnahme zur Prävention zoonotischer Pandemien (WBGU, Hauptgutachten „Gesund leben auf einer gesunden Erde“, 2023). Mehr Infos im Dossier Klima & Biologische Vielfalt.
Ernährung und Landwirtschaft
Ist klimafreundliche Ernährung automatisch gesünder?
Nein, aber die Schnittmenge zwischen klimafreundlicher und gesunder Ernährung ist groß, wie Expertenstellen wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die EAT-Lancet-Kommission („The EAT-Lancet Commission on healthy, sustainable, and just food systems“, 2025) betonen. Global gesehen verursacht die Produktion tierischer Lebensmittel doppelt so viele Treibhausgase wie die Produktion pflanzlicher Lebensmittel. Eine überwiegend pflanzliche Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkorn und Nüssen und reduziertem Anteil an Fleisch und Milchprodukten kann die ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen senken – und zugleich das Risiko für verschiedene Krankheiten, wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Übergewicht, Diabetes und Krebs.
Mit der Planetary Health Diet hat die EAT-Lancet-Kommission ein wissenschaftliches Ernährungskonzept vorgestellt, mit dem sich auch 10 Milliarden Menschen gesund ernähren können. Auch Empfehlungen der DGE aus dem Jahr 2024 berücksichtigen nun gleichermaßen Gesundheitsaspekte, Klima- und Umweltfaktoren und die in Deutschland üblichen Verzehrgewohnheiten. Mehr Infos im Dossier Ernährung & Landwirtschaft.
Was ist die „Planetary Health Diet“?
Die Planetary Health Diet ist ein wissenschaftlich entwickelter Speiseplan, der zeigt, wie sich rund 10 Milliarden Menschen gesund ernähren können, ohne die planetaren Grenzen zu sprengen. Entwickelt hat sie die internationale EAT-Lancet-Kommission – erstmals 2019, überarbeitet im Oktober 2025 („The EAT-Lancet Commission on healthy, sustainable, and just food systems“, 2025).
Der Kern der Planetary Health Diet lautet: Überwiegend pflanzlich essen, also viel Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchte und Nüsse, dazu tierische Lebensmittel in sehr moderaten Mengen. Um nach dieser Ernährungsweise zu essen und die Ressourcen der Welt zu erhalten, müsste sich der Konsum von rotem Fleisch und Zucker weltweit etwa halbieren und sich der von Obst, Gemüse, Nüssen und Hülsenfrüchten verdoppeln.
Vorteile: Würde die Menschheit sich nach Planetary Health Diet ernähren, ließen sich bis zu 15 Millionen vorzeitige Todesfälle pro Jahr vermeiden und die ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen mehr als halbieren. Die globale Lebensmittelproduktion verursacht aktuell rund 30 % der weltweiten Treibhausgasemissionen und ist Haupttreiber beim Überschreiten von fünf der neun planetaren Grenzen.
Der Haken: Derzeit lebt nur rund ein Prozent der Weltbevölkerung so, dass zugleich die eigene Gesundheit und die Grenzen des Planeten bewahrt bleiben.
Mehr Infos im Dossier Ernährung & Landwirtschaft.
Chemikalien
Wie hängen Chemikalien und Pestizide mit dem Klimawandel zusammen?
Die Zusammenhänge zwischen Chemikalien, Umweltverschmutzung und Klimawandel sind vielfältig. Einige Chemikalien – wie F-Gase, die als Kälte-, Treib- und Löschmittel eingesetzt werden und häufig in die PFAS-Stoffgruppe, sog. „Ewigkeitschemikalien“, fallen – sind selbst extrem wirksame Treibhausgase und bis zu 23.500 Mal schädlicher als CO2 (UBA, „Inventarermittlung der F-Gase 2023/2024“, 2026). Darüber hinaus verursacht die chemische Industrie besonders viele Emissionen – EU-weit rund 5 % aller menschengemachten Emissionen, wie aus Daten der Europäischen Umweltagentur hervorgeht.
Der Klimawandel verändert außerdem sowohl den Bedarf an Pestiziden als auch deren Ausbreitung in der Umwelt. Starkregen und Hochwasser spülen Pestizide verstärkt in Gewässer; ein UBA-Monitoring fand in rund 80 % der untersuchten Bäche überschrittene Grenzwerte (Umweltbundesamt, „Wo gespritzt wird, nehmen Bäche schaden“, 2023). Mehr Infos im Dossier Chemikalien, Klima & Gesundheit.
Wer kann den Zusammenhang von Chemikalien, Klima und Gesundheit fachlich einordnen?
Für eine belastbare Einordnung eignen sich Behörden wie das das Umweltbundesamt, das Bundesinstitut für Risikobewertung und die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin; auf EU-Ebene ist für Stoffbewertung und Regulierung (etwa PFAS) die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) maßgeblich. Im Dossier Chemikalien, Klima & Gesundheit finden sich weitere lokale Ansprechpartner und unabhängige Forschungsinstitute und Fachgesellschaften.
Gesundheitswesen
Wie stark trägt das Gesundheitswesen selbst zum Klimawandel bei?
Erheblich: Auf das deutsche Gesundheitswesen entfallen rund 6 % der nationalen Treibhausgasemissionen (etwa 68 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente) – ungefähr so viel wie auf die Stahlindustrie (BMG, Projekt „GermanHealthCFP“, 2023″ ). Wäre der globale Gesundheitssektor ein Land, wäre er der fünftgrößte Emittent weltweit (Health Care Without Harm).
Bemerkenswert ist, wie die Emissionen genau zustande kommen: Nur rund 10 % entstehen direkt in den Gesundheitseinrichtungen, etwa 90 % stammen aus vorgelagerten Lieferketten – Energie, Medizinprodukte und Arzneimittel. Allein klimaschädliche Narkosegase machen bis zu 35 % der Emissionen einer Klinik aus (BUND/KGNW/Universitätsklinikum Jena, „Klimaschutz und Narkosegase“, 2022). Für den klimagerechten Umbau fordert die Deutsche Krankenhausgesellschaft einen Klimafonds von 31 Milliarden Euro (DKG, 2025). Mehr im Dossier „Klima & das deutsche Gesundheitswesen“.
Gerechtigkeit
Welche Kommunen machen Klimaschutz sozial gerecht – und wie?
Einige Städte in Deutschland gehen voran, indem sie Umweltbelastungen und soziale Lage zusammendenken. Unter dem Ansatz „Umweltgerechtigkeit“ setzen sie Schutzmaßnahmen gezielt dort um, wo Benachteiligung und Belastung zusammenkommen.
Berlin ist bundesweiter Vorreiter: Als erste deutsche Stadt erfasst es mit dem Umweltgerechtigkeitsatlas (2019, aktualisiert 2023/24), wo Hitze, Lärm, fehlendes Grün und soziale Benachteiligung zusammentreffen – und steuert Maßnahmen dorthin.
Hessens Hitzewarnsystem informiert speziell Alten- und Pflegeheime sowie Krankenhäuser rechtzeitig über Hitzewellen.
Weitere nach Bundesländern sortierte Erfolgsbeispiele sowie die Sektionen „Konkret“ und „Was tun?“ – wie uns die Verhaltensforschung bei der Bewältigung der Klimakrise helfen kann – finden sich im Dossier „Klima, Gerechtigkeit & Gesundheit“.